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Noch sieben Wochen bis zum Abflug!

Donnerstag, 20.04.2017

Als wir vor vier Jahren die Route 66 gefahren sind, mussten wir etliche Nationalparks links und rechts liegen lassen (siehe www.malotoursus66.auslandsblog.de). Bereits da stand fest, dass sich eine weitere Fahrt unbedingt lohnen wird. Damals waren wir mit dem "Gigawohnmobil" unterwegs und hatten dabei Schwierigkeiten mit dem Parken innerhalb der Städte. Dieses Mal werden wir einen Wagen mieten und in Unterkünften übernachten. Die Herren Uru und Koko, die wir in Australien kennengelernt haben (siehe www.bimalo.auslandsblog.de ), die seitdem wie Kletten an uns hängen und die noch nicht in Amerika waren, werden uns begleiten und hoffentlich nicht zu viel Ärger bereiten. Am 8. Juni werden wir vier von Frankfurt nach San Francisco fliegen; solange müssen wir uns noch gedulden - Uru und Koko nerven uns bereits jeden Tag.

Reminiszenz an Scott McKanzie

Donnerstag, 08.06.2017

Kennt ihn noch jemand außer uns und lebt Scott McKanzie vielleicht nicht mehr? Wir wissen es nicht, aber sein Song geistert durch die Windungen unserer Gehirne, auch ohne Flowers in the Hair. Wir sind im sonnigen Kalifornien angekommen, bei dichter Wolkendecke, Nieselregen und 15 ºC. Der Flug verlief planmäßig, aber bei der Customs and Border Protection Control standen wir in der falschen line, denn vier der sechs Schalter schlossen, kurz bevor wir an die Reihe kamen. Bei einem der beiden aufgegeben Koffer fehlte das Kofferschloss, offensichtlich vom Zoll geknackt, wahrscheinlich wegen der darin befindlichen Stickereilupe. Dann dauerte es einige Zeit, die Haltestelle für den Hotelshuttlebus zu finden, denn in der Beschreibung auf dem Voucher hieß es "obere Ebene", die Station befand sich aber auf der unteren Ebene. Dann fuhr der Kleinbus insgesamt fünf Hotels an und unseres war das letzte, aber dafür erlebten wir eine kostenlose Stadtrundfahrt. Beim Aussteigen lobte der wortkarge Fahrer, der während der Fahrt kein Wort gesprochen hatte, unser Hotel: "Keine Kriminalität in der Gegend." Übrigens mussten wir Koko und Uru im Rucksack durch die Kontrollen schleusen, denn natürlich hatten sie es verpeilt, das ESTA-Visum zu beantragen und überhaupt dürfen keine Tiere ins Land.

Die Straßen von San Francisco

Freitag, 09.06.2017

Das Experiment hat ergeben: Zwischen 04:30 und 05:00 Uhr begegnet man keinem Pedestrianen, zwischen 05:00 und 05:30 Uhr einem, danach zunehmend mehr auf den Straßen von San Francisco (Referenz an Karl Malden und Michael Douglas). Die Zeitverschiebung hat zugeschlagen; nur die beiden Herren zeigen sich unbeeindruckt.

Das Maritime-Museum kann durchaus mit anderen gleichartigen Museen mithalten. Viele interessante Stunden lassen sich dort verbringen. Alles ist kostenfrei bis auf Schiffsbesichtigungen. Dafür wurde der Jahrespass "America the beautiful" erworben, der für sämtliche Nationalparks der USA gilt, für bis zu vier Personen und ein Fahrzeug und ein Jahr lang.

Nach einem Nachmittagsbummel schloss sich die Sonnenuntergangskatamaranfahrt an. Der steife, kalte Wind hatte die Regenwolken im Laufe des Tages zunehmend vertrieben, so dass es abends einen schönen Sonnenuntergang zu sehen gab. Die Bootsfahrt ging an Alcatraz vorbei und dann unter der Golden Gate Bridge hindurch. Sentimental traumhaft.  Koko und Uru freuten sich besonders über die vielen kalifornischen Seehunde am Pier 39.

Kein Glück ohne Wermutstropfen. Bei einer Windböe brach ein Bügel von Manfreds Brille bei dem Versuch, die Kappe festzuhalten, ab.

 

 

 

Hinter Gittern

Samstag, 10.06.2017

Bei der Fahrt vor vier Jahren waren alle National Parks eine zeitlang geschlossen, weil die US-Regierung die Entlohnung der Mitarbeiter wegen desolater Haushaltsverhältnisse nicht durchführen konnte. Deshalb konnte die Reisegruppe damals nicht nach Alcatraz gelangen, seit einiger Zeit ebenfalls Nationalpark. Das wurde nachgeholt. Zum Glück hatte MaLoTours rechtzeitig reserviert, denn vor Ort wäre die nächste Fahrt erst am 7. Juli möglich gewesen, und dass, obwohl täglich 5.000 Besucher auf die Insel kommen dürfen. Nach 15-minütiger Überfahrt legte die Fähre an und die Zeit zur Erkundung war unbegrenzt. Die Geschichte der Insel über die Nutzung als Festung, als Militärgefängnis, als Bundesstrafanstalt, als Leuchtturminsel, als durch Indianer besetzte Insel und schließlich als Nationalpark wurde gut erklärt. Die Führung durch das eigentliche Gefängnis erfolgte mit einem Audioguide auf Deutsch. Während des Besuches wurde die Reisegruppe wieder von einem Herrn angesprochen, dessen Eltern in den 50er Jahren aus Nürnberg in die USA eingewandert waren. Inzwischen herrscht eitler Sonnenschein, nur der Wind ist noch zu kalt.

Sehr lecker sind Nudeln mit Krabbenfleisch und einem nicht definierten grünen Kraut in weißer Sauce. Mit dem Draft-Bier tun sich die Amerikaner nach wie vor schwer.

Übrigens verweigerte eine Reiseteilnehmerin den Erwerb von zwei kleinen T-Shirts als Mitbringsel für die Enkelsöhne,  und dabei handelte es sich doch um reizende schwarz-weiß quergestreifte Hemdchen mit einer Nummer auf dem Rücken, sehr kleidsam, über die sich die beiden bestimmt sehr gefreut hätten.

Sacramento

Sonntag, 11.06.2017

Die lange Schlafenspause zum Abschluss der Zeit in San Francisco war erforderlich. Früh morgens wurde bei Alamo nahe am Union Square ein Suff (GMC Terrain) übernommen. Ganz problemlos ging es nicht vonstatten. Das Fahrzeug auf dem angegebenen Parkplatz ließ sich nicht öffnen, also Rückfrage - man kommt sich schon bescheuert vor, wenn man dazu nicht in der Lage ist. Die Mitarbeiterin verwies auf einen silbernen Mustang, der das gemietete Fahrzeug sein sollte. Nicht schlecht! Die Fahrertür war offen, Sitz und Spiegel wurden eingerichtet, das Navi angeschlossen, aber der Motor ließ sich nicht starten. Ist man denn zu blöd, einen Motor anzulassen? Also kleinlaut wieder um Hilfe ersucht! Jetzt stellte sich heraus, dass auch dieser Wagen nicht der richtige war. Warum wurde nicht gleich das Sprichwort beachtet: aller guten Dinge sind drei! Der Schlitten lässt sich ganz ordentlich fahren und bietet auch genügend Raum für die anspruchsvolle Reiseteilnehmerin.

Nach einer viertel Stunde Fahrt leuchtete eine Warnlampe auf: zu geringer Druck im hinteren linken Reifen. Warum müssen wir immer so ein Fahrzeug bekommen? Also langsam weitergefahren und bei nächster Gelegenheit eine Tankstelle am Highway aufgesucht. Mit dem Luftfüllgerät kamen wir nicht zurecht und an der Tankstelle war man unfreundlich. In Sacramento, dem Tagesziel, nach gemächlicher Fahrt angekommen, wurde ein zweiter Versuch zum Luftnachfüllen unternommen. Das Gerät war so ähnlich wie das erste, ohne Druckanzeige und mit dem Verlangen nach 1,50 $ in Quarters, die wir natürlich nicht hatten. Der Tankwart war freundlich, erklärte, dass die Luftstation auch ohne Geldeinwurf funktioniere, wenn man an ihr rechts einen verdeckten Knopf drücken würde. Damit kamen wir klar und der erforderliche Luftdruck wurde eingestellt. Noch bleibt unklar, warum dieser eine Reifen so viel weniger Druck als die anderen drei aufwies.

Wenn man ein typisches Fort des Westens sehen will, sollte man Fort Sutter besuchen. Außenmauer, Toranlage mit Kanonen, innen an die Mauer angebaute Unterkünfte und Werkstätten sowie ein großer Innenhof. Die Geschichte des unglücklichen Johann August Sutter ist allgemein bekannt, er kommt ja auch bei Karl May vor. Der kalifornische Goldfund brachte ihm schließlich den Ruin.

Das Sacramento History Museum informiert über die Entwicklung der Stadt; die dürftige Ausstellung war den Eintrittspreis kaum wert.

Am Ufer des Sacramento River hat ein alter Raddampfer festgemacht, heute ein Hotel. Für einen Besuch des Eisenbahnmuseums reichte die Zeit nicht mehr. Beim Gang durch Old Sacramento fühlt man sich um 150 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt.

Das West Bestern ist ganz ordentlich und sagte der Reiseteilnehmerin zu (zwei breite Betten mit jeweils fünf (!) Kissen). Die schwarze Rezeptionistin schwadronierte ausgiebig über diese kalten Tage in Kalifornien, und so bleibt der große Pool, an den die Zimmer ringsum grenzen, ungenutzt. Am Abend Einkehr in ein mexikanisches Restaurant, mit typisch mexikanischer Musik von einem Septett, wie man es sich vorstellt. Nur die bohnenlastigen Speisen fanden keine uneingeschränkte Zustimmung.

Last but not least: Danke für den Kommentar von LST (kein Zweifel, um wen es sich handelt).

Auf Widdersähn, Schätzilein!

Montag, 12.06.2017

Auf der Fahrt Richtung Süden kommt man durch die Stätten des Goldrauschs der 1850er Jahre. Kleine Orte wuchsen exponentiell, neue Siedlungen entstanden. Nach wenigen Jahren war alles vorbei, die Schürfer verließen die Ortschaften und mit ihnen das Umfeld. Zurück blieben Westernstädtchen, von denen einige erhalten geblieben sind oder restauriert wurden. In Placerville kann man eine alte Goldmine besichtigen. Ein "Miner" begrüßte uns auf Deutsch; er hatte vor 30 Jahren in Hof (Bayern) drei Jahre lang gelebt. Von ihm wurden wir mit der Überschrift dieses Beitrags verabschiedet.

Auch in Amador City, Sutter Creek, Jackson und Columbia findet man sich in die Zeit des Goldrauschs zurückversetzt. In Chinese Camp verfielen die alten Gebäude, fast eine Geisterstadt.

Im Yosemite Nationalpark angekommen, erklärte der Ranger, dass die Straße zum Zielort El Portal wegen eines Bergrutsches gesperrt sei. Also Umkehr, den langen Weg zurück, insgesamt 120 zusätzliche Kilometer auf kurvenreichen Straßen und fast zweieinhalb Stunden länger unterwegs. So war es bei der Ankunft in der Yosemite View Lodge bereits relativ spät. Es reichte aber noch für ein ordentliches Abendsteak. Wer WiFi benutzen will, muss erst eine Karte für 10 $ erwerben. Dazu hatten wir keinen Nerv mehr, weshalb dieser Eintrag einen Tag später erfolgt, nach Kauf eines Internet-Tickets an einem Automaten in der Lobby.

Übrigens ist die Nutzung des Handys mit dem US-Chip noch nicht gelungen. Von alleine, wie in der Beschreibung angeführt, funktioniert es nicht. Es wird daran gearbeitet.

Alle vier Reifen weisen den gleichen Druck auf.

254 statt 30: Zu spät!

Dienstag, 13.06.2017

Die erste Erkundigung am Morgen ergab, dass die Straße in den NP weiterhin gesperrt bleibt; vielleicht könne sie mittags wieder befahren werden. Für 11 Uhr war eine Jeeptour gebucht, also außen um den NP herumfahren und durch das Südtor hinein. An der Rezeption hieß es, man benötige etwa zwei Stunden Fahrzeit. Abfahrt um 8 Uhr. Die Strecke zieht sich. An der Einfahrt in den Park staute es sich erheblich zurück und da nützte es auch nichts, dass wir bereits einen"America the Beautiful-Pass" erworben hatten, der nur vorgezeigt zu werden braucht. Erst nach gut einer halben Stunde wurde das Tor passiert und am Ticketschalter für die bereits bezahlte Jeeptour betrug die Verspätung fast eine dreiviertel Stunde. Der Mitarbeiter zeigte sich sehr kulant, buchte noch um und stellte Fahrkarten für den nächsten Tag 12 Uhr mittags aus.

Jetzt war Zeit, den Yosemite-Park auf eigene Faust zu erkunden. Der Park ist grandios, aber auch entsprechend stark frequentiert. Das Kernstück ist das Yosemite-Valley mit den Granitfelsen El Capitan und Half Dome. Von beträchtlicher Höhe sind mehrere Wasserfälle. Alles bei voller Sonne. An einigen Stellen liegen dennoch kleine Schneereste.

Auch bei der Rückfahrt war die kurze Straße zu unserer Lodge immer noch gesperrt, so dass wieder der lange Weg außen herum gefahren werden musste. So ergaben sich statt der für den Tag kalkulierten 30 Meilen insgesamt 254 Meilen, fast nur auf kleinen Straßen. Abends hieß es an der Rezeption in der Lodge, dass die Instandsetzung der Strecke vielleicht noch eine Woche dauern könne. Schöne Aussichten!

Das Telefonieren mit dem Handy ist immer noch nicht möglich. Der Reifen hinten links zeigte bei der Rückkehr 2 psi weniger Luftdruck als die anderen drei Reifen (34 statt 36). Ungutes Gefühl!

Durch das Yosemite-Valley

Mittwoch, 14.06.2017

Die Anfahrt kannten wir ja bereits schon. Abfahrt um 7:45 Uhr, außen um den Yosemite-Park (sprich: Jozimitie) herum, 120 Meilen Weg, dreieinhalb Stunden Fahrzeit, dabei eine dreiviertel Stunde an einer Baustelle kurz vor der Einfahrt in den NP. Die anschließende Fahrt im offenen Fahrzeug entschädigte für alles, auch wenn es kein Jeep war wie gedacht, sondern ein Lkw-Anhänger mit Sitzreihen. Etwa 50 Leute fuhren mit, dabei zwei irische und eine deutsche Familie. Die Amis teilten sich auf in die von der Westküste, die von der Ostküste und die aus der Mitte. Die Rangerin, die die Gruppe führte, erklärte anfänglich, warum sie diesen Beruf gewählt habe, nämlich weil sie ihre Stimme so gerne höre. Sie machte es dann aber ganz gut. Der Park ist phantastisch und es ist genau die richtige Reisezeit, denn fast alle Wasserfälle führen noch Wasser. Nach der zweistündigen Rundfahrt unternahm die Reisegruppe einen kleinen trail zum Yosemite Fall, grandios. Das historische Majestic Yosemite Hotel, vormals The Ahwahnee, könnte bei einer Wiederkehr als Unterkunft dienen. Kleine Waldbrände sind gewollt und erfolgen unter der Kontrolle der Feuerwehr; überall steht, dass man diese Feuer nicht melden solle. Schwarzbären, die im Tal leben, sind wir nicht begegnet. Nach 12 Stunden wurde die Unterkunft wieder erreicht, nach 250 Meilen Fahrt - wie bereits angeführt, liegt das Tal nur etwa 15 Meilen entfernt. Die road bleibt weiterhin closed.

Bei der Rückkehr zeigte der unter Beobachtung stehende Reifen 3 psi weniger als die drei anderen Reifen an. Ihm wurde gut zugeredet. Auch dem Handy.

Unplanmäßiger Ruhetag

Donnerstag, 15.06.2017

Die wesentlichen Ziele im Yosemite NP hatten wir bereits gesehen. Gerne wären wir mit unserem Auto auch durch den Mammutbaum gefahren, wie man es von vielen Photographien kennt, doch wird dieser Bereich des Parks gegenwärtig restauriert und die road ist closed. Sieben Stunden Fahrzeit in den vor der Haustür liegenden Park waren uns auch zu viel. Also wurde ein "Ruhetag" eingelegt. Nach längerem Ausschlafen ging es auf der bereits gut bekannten Strecke durch das Merced-Tal 30 Meilen nach Mariposa, wo das kleine örtliche Historische Museum besucht wurde - durchaus sehenswert, wenn auch ein bißchen chaotisch. Dann konnte im Ort getankt werden. Weil der Sorgenreifen inzwischen nur noch 31 psi aufwies, sollte an der Tankstelle Luft nachgefüllt werden, doch war die Anlage "out of order". An der nächsten Tankstelle war eine Luftstation vorhanden, mit zwei Geldeinwurfschlitzen und ohne jegliche Beschriftung, auch ohne Druckanzeige. Der Tankwart hätte auch um Hilfe gebeten werden können, doch kam zum  Glück ein anderer Autofahrer, der ebenfalls Luft nachfüllen wollte und dem wir zuschauten. Man muss zwei Quarter in den oberen Schlitz einwerfen; der untere Schlitz ist für das Nachfüllen von Wasser vorgesehen. Der Mann hatte ein Taschendruckmessgerät dabei, womit sich der Reifendruck messen ließ. Er überließ uns den Luftschlauch, ohne dass wir Münzen einwerfen mussten. Unsere Methode war etwas umständlich, denn nach etwas Lufteinfüllen musste der Motor gestartet werden und der Reifendruck am Monitor abgelesen werden. Es sieht so aus, als ob der Sorgenreifen täglich etwa 1 psi Druck verliert. Wir haben nachgeschaut: unter der Abdeckung im Kofferraum befindet sich ein Reserverad.

Bei der Rückfahrt zur Lodge erschien eine neue Nachricht auf dem Monitor: "Change Engine Oil Soon". Mal sehen, wie wir damit umgehen.

Der freie Nachmittag wurde zum ersten Wäschewaschen genutzt. Von den vier Waschmaschinen in der Laundry sind zwei "out of order", die dritte funktioniert nur bei 60 ºC. Das kleine Päckchen Waschpulver für eine Wäsche musste mit fast 2 Euro bezahlt werden, für Waschmaschine und Trockner sind natürlich auch etliche Quarter einzuwerfen.

Am ersten Tag in der Lodge war der Wasserhahn in unserer Pantry locker und es ließ sich kein Wasser zapfen. Nach der Reklamation wurde innerhalb von wenigen Stunden ein neuer Zapfhahn angebaut. Okay! In der letzten Nacht hörte eine Reiseteilnehmerin Tropfgeräusche, die auf den Kühlschrank zurückgeführt wurden, doch war es die neue Armatur, die in den Spülenunterschrank abtropfte. Nach erneuter Vorsprache wurde die Pfuscharbeit innerhalb von einer Stunde behoben.

Übrigens ist unser Suff wohl ein SUV, aber ein kleiner Säufer. Nach dreimaligem Tanken beträgt der durchschnittliche Verbrauch 9,03 Liter pro 100 Kilometer. Zum Glück kostet Benzin nicht so viel wie in Europa; für einen Liter Regular (87 Oktan) sind etwa 95 Euro-Cent zu zahlen.

Die Tagestemperaturen steigern sich; mittags herrschten 91 ºF, das bedeutet: Klimaanlage anschalten!

Ein richtiger Highway

Freitag, 16.06.2017

Nach vier Nächten am Yosemite NP Weiterfahrt zur Wuksachi Lodge im Seqoia National Park (2 Nächte). Zunächst führte die Fahrt nach Fresno. Wie jeder weiß, besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität in Fresno und der Fachhochschule Münster. Aber in Fresno gibt es auch einen Flughafen und dort ein Büro unserer Autovermietungsfirma Alamo. Dorthin sind wir also gefahren und haben unser Leid über den GMC geklagt. Kein Problem: der Wagen wurde schnell zurückgenommen. Verfügbar war ein dicker Dodge Journey, mit sieben Sitzen. Nach kurzer Zeit konnte die Fahrt fortgesetzt werden.

Der Highway 180 führt auf über 7.000 feet Höhe in die beiden miteinander verbundenen Nationalparks Kings Canyon und Sequoia hinein, ist also ein wirklicher "High"-way. Gleich hinter der Einfahrt in den Park befindet sich der berühmte General Grant Tree. Am ersten Mammutbaum glaubt man ihn bereits erreicht zu haben, aber dann steht ein weiterer Riese da und noch einer und noch einer, bis man den General Grant Tree erreicht hat, über 90 Meter hoch und älter als 1.700 Jahre. "Kleine" Menschen wandeln unter riesigen Bäumen.

Auf einem anderen trail ging es vorbei an etlichen Baumstümpfen. Ziel war der Mark Twain Tree, der heute auch nur noch ein Stumpf ist, weil er 1891 aus Gründen des Naturschutzes gefällt wurde. Man versandte Scheiben seines Stammes an mehrere Museen mit der Botschaft, dass diese Baumriesen unbedingt geschützt werden müssten.

Die Wuksachi Lodge liegt mitten im Sequoia NP. Für die grandiose Lage ist die Unterkunft annehmbar. Als Klimaanlage dient ein in das Fenster integrierter Ventilator. Aber alles ist unwichtig, wenn man auf die umgebenden Berge mit ihren Schneehauben schaut. Beim Dinner achtet man besser auf die Berge als auf den Geldbeutel.

Der mächtigste Baum der Welt

Samstag, 17.06.2017

Das Tagesprogramm im Sequoia National Park:

1. Baumgruppe nördlich des Cabin Creek: erfüllt.

2. General Sherman Trail: erfüllt.

3. General Sherman Tree (der mächtigste lebende Baum der Welt): erfüllt.

4. Congress Trail: erfüllt.

5. Giant Forest Museum: erfüllt.

6. Big Tree Trail: erfüllt.

7. Tunnel Log: nicht erfüllt (road closed).

8. Tokopah Falls Trail: erfüllt.

 

Der Dicke Dodge

Sonntag, 18.06.2017

Bisher erfüllt der Dicke alle Erwartungen;  er fährt sich fast genauso wie der GMC, nur dass die Rückfahrkamera fehlt, aber dafür ist er sehr geräumig. Wenn man ihn mit dem Funkschlüssel verriegelt, verabschiedet er sich höflich mit einem freudig lauten Hupen - auch nachts lässt sich der Dicke das nicht nehmen.

Das Tanken ist unproblematisch. Man geht zuerst zum Tankwart und nennt als prepay einen Betrag, für den man tanken möchte und belastet damit die Kreditkarte ("kredit", nicht "debit"). Lässt sich weniger Regular einfüllen, als man vorher geschätzt hat, so wird entweder die Kreditkarte mit dem genauen Betrag belastet oder die Kreditkarte wird mit zuerst geschätzten Betrag belastet und man erhält auf das Kreditkartenkonto eine Gutschrift über Differenz oder die Kreditkarte wird mit dem zuerst genannten Betrag belastet und man erhält die Differenz bar ausgezahlt.

Die heutige Weiterfahrt führte durch die Mohave-Wüste, wo uns unsere alten Freunde, die Joshua-Bäume, Willkommen hießen. Einsame Straßen, pflanzliche Überlebenskünstler, Steine und Gebirge prägen die Landschaft. Und damit uns niemand beneidet: mittags zeigte das Außenthermometer des Dicken 113 ºF an und an unserem etwas trostlosen Übernachtungsort Ridgecrest herrschen nur fünf Grad weniger. Hier sind auch Handy-Netze verfügbar; die bisherigen Probleme mit der Handy-Benutzung lagen wohl an der dünnen Versorgung in den Nationalparks.

 

Dem Tal des Todes entronnen

Montag, 19.06.2017

Vor vier Jahren führte unsere Fahrt durch den südlichen Bereich des Death Valley; diesmal wurde das Tal im nördlichen Bereich gequert, nachdem der Tank des Dicken fast bis zum Überlaufen gefüllt worden war. Stundenlange Fahrt auf einsamen Pisten zu Mesquite Flat Sand Dunes, Grapevine und Ubehebe Crater (ganz alleine; eindrucksvoll); die Straße zu Scotty's Castle ist wie vor vier Jahren immer noch gesperrt (ab Grapevine). Es ist ein besonderes Erlebnis, durch dieses Wüstental zu "cruisen", bei einer Spitzentemperatur von 122 ºF (!!!).

Übernachtung in Beatty - als Übernachtungsort hinnehmbar; es ist die einzige Übernachtung in Nevada auf dieser Fahrt (Tschüss,  Kalifornien). Die Rezeptionistin warnte vor dem kalten Wasser im Motelpool, nur 80 ºF bei 110 ºF Lufttemperatur. Zwei Räume weiter ist ein Paar aus Berlin eingezogen, das entgegengesetzt fährt.

"You have a stay problem."

Dienstag, 20.06.2017

Die längste Etappe der gesamten Reise führt an Las Vegas vorbei, das rechts liegen gelassen wird. Tagesziel ist Brian Head UT am Cedar Breaks National Monument. Vorgestern waren wir noch in Kalifornien, gestern übernachteten wir in Nevada, heute geht die Reise eine Strecke lang durch Arizona und der Zielort liegt in Utah, verbunden mit einer Stunde Zeitverschiebung.

Etwa 20 Meilen vor Brian Head war die Straße gesperrt. An der Barriere stand der Ortssheriff und erklärte, dass die Zufahrt nach Brian Head wegen eines großen Feuers geschlossen und auch keine andere Zufahrt zu dem Ort möglich sei. Als er hörte, dass wir dort eine Unterkunft reserviert hätten, meinte er lakonisch: "You have a stay problem."

Was tun? Wir entschlossen uns gezwungenermaßen, das Cedar Breaks National Monument ausfallen zu lassen, etwa 100 Meilen zum nächsten Ziel, dem Bryce Canyon, weiterzufahren und dort zwei Tage statt einem zu verbringen. Leider hatte unser Hotel, das für den übernächsten Tag gebucht ist, für die heutige Nacht kein Zimmer frei, so dass wir ein Stück zurückfuhren und Logis in einem Motel etwas entfernt vom Nationalpark gefunden haben, im Vergleich zu den bisherigen Unterkünften einfacher ausgestattet, aber auch preisgünstiger.

Auf der Fahrt führte der Weg durch den Red Canyon. Wie der Name sagt, traumhaft rote Felsen. In der Ferne waren ausgedehnte Rauchschwaden über Wäldern auszumachen. Hinweisschilder an den Straßen geben die Feuergefahr mit "high" an.

Zum Glück sorgt das Navi für etwas Heiterkeit, wenn es zum Beispiel ansagt: "Nächste Abfahrt rechts Durango Doktor." Die Straße heißt Durango Drive.

Im Bryce Canyon

Mittwoch, 21.06.2017

Die frei gewordene Zeit wurde für den Besuch des relativ kleinen, aber dennoch sehenswerten Red Canyon genutzt. Nomen est omen, wie sich auf einer kurzen Wanderung feststellen ließ.

Dann ging es aber in den berühmten Bryce Canyon. Man sollte der Empfehlung der Parkverwaltung folgen und den Shuttle benutzen, der auch direkt vor unserem Grand Hotel hält, wenn man sich im Park auf den Kern beschränken möchte. Wer die südlicheren Punkte ansteuern möchte, fährt mit dem eigenen Auto hinein. Übrigens erfüllt die Absteige die Erwartungen der Reisegruppe.

Wie jeder weiß, war Ebenezer Bryce der Namensgeber des Tals. Er kam 1875 mit seiner Frau Mary Ann hierher und baute Straßen. Die Leute der Gegend nannten das "Amphitheater", eine nahezu dreiviertel-kreisförmige Felsformation, wo seine Straße endete,  "Bryce's Canyon".

Im Visitor Center erfolgen gut gemachte Informationen über das Gebiet. Ein Film und eine Videosequenz beantworten viele Fragen vorab. Die Hauptpunkte im NP sind der Bryce, der Sunrise und der Sunset Point. Die beiden letzteren verbindet ein einfach zu gehender Weg. Zur Beschreibung der Aussicht in das "Amphitheater" lassen sich wieder alle Verben mit Superlativen verwenden. Eine Amerikanerin äußerte sich bei dem Anblick, es handele sich um den schönsten Ort der Welt. Die Auswahl aus der Unmenge an getätigten Photographien wird schwer fallen.

Der Navajo Trail ist ein Rundweg, der 168 Meter zum Grund des Canyons hinab- und wieder hinaufführt. Der Reiseleiter unternahm diesen Gang alleine. Zum Glück herrschen nicht mehr die hohen Temperaturen wie im Death Valley, nur noch um 90 ºF, richtig sommerlich angenehm warm.

Ein Wort zum Dicken Dodge: Er ist ja dicker als der vorherige GMC und so ist verständlich, dass er mit 10,1 Liter Regular für 100 Kilometer etwa 1 Liter mehr verbraucht. Er darf so viel verbrauchen wie er will, wenn er nicht auch irgendwelche Zicken wie der GMC entwickelt.

Sonnenbrille

Donnerstag, 22.06.2017

Der Bryce Canyon verfügt nur über eine einzige Zufahrt, im Norden gelegen, an der eine 18 Meilen lange Straße beginnt. Im südlichen Bereich des Canyons, der eigentlich kein Canyon ist, sondern eine Aneinanderrreihung unterschiedlicher Berg- und Talformationen, befinden sich nicht ganz so spektakuläre Aussichten wie im Kerngebiet, die aber dennoch sehenswert sind. Diese wurden am Morgen nacheinander abgefahren: Swamp Canyon, Farview Point, Natural Bridge (eigentlich keine Brücke, sondern ein Bogen), Agua Canyon, Ponderosa Canyon, Black Birch Canyon und Rainbow Point. Damit ist der Bryce Canyon abgehakt.

Auf zum nächsten Ziel, unserem siebten Nationalpark, dem Zion NP, ebenfalls in Utah gelegen. Bei der Einfahrt in den Park zeigten wir dem Ranger unsere "America The Beautiful"-Karte vor und er fragte, ob wir Informationsmaterial über den Park wünschten, was bejaht wurde. Dann meinte er, wir könnten auch Informationen in deutscher Sprache erhalten. Gefragt, ob er unsere Nationalität an der Aussprache erkannt habe, verneinte er dieses und erklärte, er habe es an der Sonnenbrille erkannt, denn solche Sonnenbrillen trügen nur Deutsche. Erstaunlich und unerwartet!

Wie jeder weiß, bedeutet das alte hebräische Wort "Zion" Zufluchtsort oder Heiligtum, und es wurde häufig von den mormonischen Siedlern in Utah benutzt, woraus der Name für den Canyon mit seinen vielen verdeckten Seitentälern resultiert.

Unsere Lodge, in der wir es drei Tage lang aushalten müssen, verfügt über alle Dinge, die man so auf der Reise benötigt. Man muss aber bemängeln, dass im Gegensatz zu fast allen bisherigen Unterkünften ein Mikrowellengerät  fehlt, auch, dass es auf dem Balkon mit Blick auf das Zion-Gebirge mit 110 ºF viel zu heiß ist. Draußen glaubt man ständig von einem warmen Föhn angeblasen zu werden.

Auch hier wird ein Bus-Shuttle-Dienst ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Die Benutzung empfiehlt sich, weil Parkplätze im Ort (Springdale UT) rar sind oder dafür Parkgebühren verlangt werden.

Mit der Erkundung des Canyons wird morgen begonnen.

Im Bus nach Albuquerque/New Mexiko

Freitag, 23.06.2017

Mit dem Stadt-Shuttle-Bus ging es am kühlen Morgen bei nur 90 ºF bis zur Endstation am Parkeingang (die Temperatur erreichte im Tagesverlauf wieder um 110 ºF, über 40 ºC). Nach einem reichhaltigen Frühstück beim Cafe Soleil (Platz 2 von 27 nach Tripadvisor; zu Recht) angenehm draußen sitzend ohne Beeinträchtigung durch Lästlinge, führte der Archeology Trail kurz und steil auf eine Anhöhe, wo es zwar nichts Archäologisches von den vor 1.000 Jahren hier lebenden Völkern zu entdecken gab, von wo sich aber eine schöne Aussicht den Virgin River auf- und abwärts bot.

Zur Fahrt in den Canyon muss man in den Canyon-Shuttle-Bus umsteigen. Wegen des Andrangs dauerte die Wartezeit über eine halbe Stunde, fast ohne Schatten in der Sonne. Eine Optimierung des Transport-Managements ist durchaus vorstellbar. An der Zion-Lodge ausgestiegen (5. von 9 Stationen im Park), führte der Weg auf dem Lower Emerald Pool Trail - es wird davon ausgegangen, dass jedem die Bedeutung von "emerald" ohnehin geläufig ist - hoch zum Unteren Emerald-Bassin, das von einem kleinen Wasserfall, unter dem man herläuft, gespeist wird. Auf dem Kayenta Trail ging es anschließend zu The Grotto, wo eine massive Meuterei durch die Reisegruppe hinsichtlich weiterer Trails entbrannte, so dass mit dem Shuttle-Bus zum Visitor-Center zurückgefahren und dort in den Stadt-Shuttle-Bus umgestiegen wurde.

Nachdem der Busfahrer die Türen geschlossen hatte und losgefahren war, begrüßte er seine Passagiere mit der Ankündigung, dass dieser Bus jetzt nach Albuquerque in New Mexiko fahre (wir befinden uns in Utah); ein unerwartetes Ziel, aber warum nicht? Allerdings war es nur ein Ulk.

Nachdem am Abend zuvor im Majestic View Steakhouse das beste Steak der bisherigen Reise serviert worden war - Steak Oscar, ohne jegliche Sehnen, Knorpel und Fett, auf den Punkt wie gewünscht geröstet, mit Shrimps und sehr dünnen, grünen Spargelstangen, mit einer roten Backkartoffel, bei einer Flasche Riesling von einem "Traditions"-Weingut (gegründet 1975) aus Idaho (wegen Thoralfs Vergangenheit gewählt), an einem Tisch direkt vor den hohen Fensterscheiben mit Panoramasicht auf die Canyonflanken in der untergehenden Sonne, allerdings auch das kalkulierte Budget weit übersteigend, war für den Abend dieses Tages Schmalhans als Küchenmeister angesagt. Dem Reiseleiter wurde befohlen, die Ernährungslage sicherzustellen, denn wozu sei er sonst Reiseleiter. Also machte sich diese arme Person in der abendlichen Hitze auf den Weg und kam noch innerhalb eines nicht zu beanstandenen Zeitraums zurück, mit einem Subway-Sandwich, das wohl in Ermangelung von Alternativen Gnade fand.

Übrigens ist das Gebiet um die Lodge herum "rattlesnake area".

Ruhetag im Zion NP

Samstag, 24.06.2017

Nach Erfahrungen mit früheren Reisen hat der Veranstalter, damit es eine entspannte Reise wird, von Zeit zu Zeit "Ruhetage" ohne Programm zur freien Verfügung eingeplant. Nach einem ausgiebigen Frühstück in Oscar's Cafe (Platz 3 von 27 bei tripadvisor), wo man draußen sitzend von einem ganz feinen Sprühnebel gekühlt wurde, bestimmte die Reisegruppe, dass man zum Temple of Sinawava fahre und dort den Riverside Walk laufe. Zuvor musste man aber noch die Warterei auf das Embarkieren in einen Park-Shuttle-Bus über sich ergehen lassen. Knapp eine dreiviertel Stunde dauerte die Prozedur, bei der die Menschenschlange an eine Herde Schafe erinnerte, die geduldig vor der Schlachtbank wartete, ohne dass eines blöckte. Der Weg am Virgin River entlang entschädigte dann aber.

Am frühen Nachmittag zurück konnte man bei 105 ºF nicht auf dem Balkon mit der schönen Aussicht sitzen, weil selbiger noch nicht einmal über einen Kühlluftschleier oder ein Wasserverdüsungssystem verfügt. Dafür wurde die Zeit zum zweiten Wäschewaschen der Reise genutzt.

Leider wurde auch die letzte Flasche Trumser Pils getrunken, wirklich gut, ursprünglich aus Österreich stammend, aber nicht mehr zu bekommen, weshalb auf Dosen-Budweiser zurückgegriffen werden musste, das sich eigentlich nur zur Herstellung eines Bierteigmantels von Fleischgerichten eignet. Aufschrift auf den Can's: America - Land Of The Free - Home Of The Brave.

Insgesamt ist der Zion NP sicher eine besondere Naturkulisse, die es verdient, als Nationalpark bezeichnet zu werden, aber im Vergleich mit den bisherigen NP's fällt er ab. Dabei ist der Zion-Mount-Carmel-Highway erheblich spektakulärer als der generell nicht mit Privatfahrzeugen (nur mit Bus-Shuttlen) befahrbare Zion-Canyon-Scenic-Drive.

GC = Gaschromatographie?

Sonntag, 25.06.2017

Am Morgen wurde nochmals der Zion-Mount Carmel Highway befahren, einfach, weil er schön anzusehen ist, verbunden mit einigen kurzen Photostopps. Dann ging die Fahrt weiter zur Geisterstadt Grafton bei Rockville UT, ein Geheimtipp. Der Ort ist kaum ausgeschildert; man fährt von Rockville UT von der Main St ab auf die Grafton Road, zuletzt auf Gravel Road, vorbei am Friedhof von Grafton. Der Ort war eine Mormonensiedlung, die sich nicht glücklich entwickelte. Die Gräber zeugen von der schweren Zeit. Drei junge Leute wurden von Navajos ermordet. Vor allem Kinder starben 1866, dem traurigsten Jahr, an Diphtherie. Der Anbau von Baumwolle war eine Fehlentscheidung;  man hätte besser Getreide angebaut, denn so musste man hungern. Vom Ort sind noch die Kirche/Schule sowie drei Wohngebäude erhalten geblieben, die man teilweise betreten kann.

Mit Arizona wurde der fünfte Bundesstaat dieser Reise erreicht, wieder verbunden mit einer Stunde Zeitumstellung.

Wer in seinem Berufsleben mit Wasser, Abwasser oder Chemie zu tun hat(te ), weiß um die Bedeutung der Abkürzung "GC" = Gaschromatograph(ie). Aber hier handelt es sich um eine ganz andere Bedeutung: Grand Canyon! Der North Rim wird kaum besucht, weil er nicht so einfach wie die Südseite zu erreichen ist. Die Grand Canyon Lodge wurde inmitten eines Waldes errichtet. Natürlich ist die Aussicht grandios, die Unterkunft etwas einfach (keine Klimaanlage). WiFi gibt es nur im Supermarkt des 3 km entfernten Campingplatzes. Aber abends beim Dinner in der Speisehalle der Lodge schaut man durch die riesigen Panoramafenster in den Canyon mit der untergehenden Sonne.

Ein Tag am North Rim des GC

Montag, 26.06.2017

Am Morgen unternahm der Reiseleiter einen kurzen Trip zum Bright Angel Point, fast alleine in der Morgensonne, die eine Talflanke schön farbig bestrahlte, während die Seite im Schatten grau und farblos erschien. Und danach galt es, die Vorgaben des Reiseveranstalters zu erfüllen: Point Imperial (höchster Aussichtspunkt), Vista Encantada, Roosevelt Point, Roosevelt Point Trail, Walhalla Overlock (sic !), Cap Royal und Angels Window. Was soll man sagen? Es ist einfach der "Große" Canyon, prächtig und mächtig!

Etwas "Wildlife" war auch zu beobachten: eine Herde von etwa 20 Büffeln, dabei einige Kälber, aber zum Photographieren zu weit entfernt, und ein stolzer Hirsch, der ohne Beachtung der Verkehrsregeln mit grazilen Sprüngen kurz vor dem Dicken Dodge die Straße querte.

Übrigens ist das wilde Zelten im GC NP gestattet - wo ist Vergleichbares in Deutschland zulässig? Man muss allerdings einen Eimer und eine Schaufel mitführen und seine Fäkalien mindestens 15 Zentimeter tief vergraben.

Die Welt ist ein Dorf

Dienstag, 27.06.2017

Vor den Unterkünften der Grand Canyon Lodge stehen Holzbänke, von denen man nicht nur einen schönen Blick auf den Wald hat, sondern die auch die Kommunikation zwischen den Nachbarn befördern. So kamen wir am gestrigen Abend in Kontakt mit Familie S. Frank ist 82 Jahre alt, sieht viel jünger aus, war Börsenmakler und hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe. Seine zweite Frau heisst Leslie Ann, ist deutlich jünger und hat keine Kinder. Frank war 1958 als Soldat in Schweinfurth. Vor 17 Jahren unternahmen sie eine 45-tägige Reise um die Welt, durch Europa, via Singapur, Perth, Darwin, Sidney, zu den Tonga- und den Fidschi-Inseln, von ihm selbst geplant. Sie schwärmten von einer Bahnreise von Montreal nach Vancouver und kannten auch den Rhein von einer Bootsfahrt. Sein junges Äußeres führt Frank auf den täglichen Genuss von frischem Obst zurück, bevorzugt aus seinem eigenen Garten. Und dann stellte sich heraus, dass sie in North Stanford wohnen, 10 Meilen von Fresno in Kalifornien entfernt, der Partnerstadt von Münster, und dass sie Münster kennen, weil eine Nachbarin von ihnen bereits einmal im Rahmen der Städtepartnerschaft dorthin gereist war. Die Welt ist ein Dorf. Von den beiden erhielten wir dann auch drei Pflaumen geschenkt, Sorte Sankt Antonius (oder ähnlich), die drei Früchte in unterschiedlichem Reifestadium, die grüne zu unreif, die beiden anderen aber genießbar. Frank gab dann auch noch Tipps für die weitere Reise mit.

Einer dieser Tipps war Marble Canyon. Wir hielten es für einen Canyon (und den mag es wohl auch geben), es ist aber der Name eines Ortes, mehr eines Örtchens, wegen der dortigen Ruhe kann man auch sagen, eines "stillen  Örtchens". Dort liegen auch einige Felsen wie Murmeln herum. Interessant ist aber die in der Nähe befindliche historische Brücke über den Colorado, von 1928, genannt Navajo-Brücke. Vor dem Bau der Brücke gab es eine Fähre. Einer der Fährschiffer war Mormone und hatte 20 Kinder mit zwei Frauen, wobei aus den Informationen nicht hervorging, ob er mit den beiden Frauen gleichzeitig oder nacheinander verheiratet war.

Das Navajo National Monument befindet sich in der Nähe eines Canyons, in dem Indianer vor rund 1.000 Jahren gelebt haben, was durch entsprechende Funde belegt wird, die im kleinen Museum des Visitor Centers ausgestellt sind. Am dort beginnenden Sandal Trail sind zahlreiche Informationstafeln über Gewächse, Geologie und Indianerhistorie aufgestellt. Der Weg endet an einem Vorsprung, von dem man auf die überstehenden Felswände schauen kann, unter denen die Menschen damals gelebt haben. Für diese Art des Siedelns existiert ein Fachbegriff, der uns aber augenblicklich entfallen ist, was wohl auf unser Alter zurückzuführen ist. Vielleicht kann jemand helfen.

Übernachtet wird in Kayenta AZ. Das Hampton Inn Hilton ist einigermaßen annehmbar, aber der Ort ist ein Kaff. Die Reisegruppe ist also in Arizona angekommen, wieder mit einer Stunde Zeitverschiebung (mal vor, mal zurück). Die lange, zeitweilig einsame Fahrt führte an vielen roten Tafelfelsen vorbei, wie man sie auch von Zigarettenreklamen aus früherer Zeit kennt.